Barrierefreiheit

Der BITV-Test zur Prüfung auf digitale Barrierefreiheit

Marc Marc am 17.02.2021

Ist Ihre Webseite schon barrierefrei? Einheitliche Standards und Konformitätsbedingungen werden für Webangebote immer wichtiger. So fordern auch aktuelle und zukünftige Gesetzgebungen europaweit digitale Barrierefreiheit. Der BITV-Test des Projekts BIK (Barrierefrei informieren und kommunizieren) liefert Anbietenden von Websites eine gute Möglichkeit, Ihre Websites und Webanwendungen umfassend auf Barrierefreiheit zu prüfen. Das Prüfverfahren orientiert sich an den Anforderungen der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) und hat sich in Deutschland zu den zuverlässigsten Prüfverfahren entwickelt

Was bedeutet die BITV 2.0? 

Die neueste Version der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) 2.0 ist in Deutschland am 21. Mai 2019 in Kraft getreten und brachte einige neue Anforderungen an Websites und mobilen Anwendungen. Sie verpflichtet Webangebote des Bundes und andere öffentliche Stellen zur Barrierefreiheit und orientiert sich dabei an den Anforderungen der europäischen Norm 301 549 und damit auf die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1. Die Einhaltung dieser Richtlinien können Sie mit dem überarbeiteten BITV-Test überprüfen.

Welche BITV-Test Varianten gibt es, um die Barrierefreiheit Ihrer Website zu testen?

Insgesamt umfasst der BITV-Test 60 Prüfschritte, die in enger Zusammenarbeit mit Behindertenverbänden, Web-Dienstleistern und Experten entwickelt worden sind. Das gesamte Prüfverfahren wird ausführlich auf der BITV Test-Website beschrieben. So finden Sie dort für jeden Prüfschritt umfassende Erläuterungen darüber, warum diese wichtig sind und wie in der Prüfung genau vorzugehen ist. Es gibt den Test in drei verschiedenen Varianten, die für unterschiedliche Zwecke geeignet sind.

Entwicklungsbegleitender BITV-Test

Der entwicklungsbegleitende BITV-Test wird für die interne Nutzung angeboten und eignet sich optimal, um eine Bestandsaufnahme zu machen. So können IT-Abteilungen oder Webagenturen, die neue Internetauftritte entwickeln oder bestehende Webseiten überprüfen wollen, detaillierte Rückmeldungen zum Stand der BITV-Konformität und zu den Optimierungsmöglichkeiten erhalten. Der Test zeigt also auf, ob in Bezug auf die BITV Anforderungen, Handlungsbedarf besteht und mit welchen Kosten man im Einzelfall rechnen muss.

Inhaltlich entspricht der entwicklungsbegleitende Test dem abschließenden BITV-Test. Jedoch wird der entwicklungsbegleitende Test nicht von zwei Prüfenden durchgeführt. Aufgrund des reduzierten Testaufwands ist dieser Test auch kostengünstiger als der abschließende Test. Trotzdem sind die Testergebnisse nicht für eine Veröffentlichung gedacht, da keine zuverlässige Aussagekraft durch einen zusätzlichen Zweitprüfenden gewährleistet werden kann. Dennoch eignet sich der entwicklungsbegleitende Test, um mögliche Mängel hinsichtlich der Barrierefreiheit aufzuspüren und rechtzeitig beheben zu können.

Abschließender BITV-Test

Der abschließende BITV-Test dient zur Feststellung des erreichten Grades der Barrierefreiheit und bestätigt den Anbietenden der Website den Stand der Barrierefreiheit. Es empfiehlt sich daher, den abschließenden Test nur nach einem vorher durchgeführten entwicklungsbegleitenden Test durchzuführen. Grundlage für den BITV-Test bildet die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung 2.0 (BITV) vom 21. Mai 2019.

Zunächst wird mit dem Auftraggebenden abgestimmt, für welche Webseiten das Ergebnis des BITV-Tests gelten soll. Die Anzahl der zu testenden Seiten beeinflusst zudem den Gesamtpreis des abschließenden Tests. In der Regel wird die gesamte Website mit eingebundenen Funktionen und Services überprüft. Der abschließende BITV-Test wird dann im Tandem durchgeführt. Das heißt, dass zwei qualifizierte BIK-Prüfende unabhängig voneinander das Webangebot auf Barrierefreiheit testen. Erst nach Abschluss des Tests stimmen sie ihre Ergebnisse untereinander ab. Durch das Tandem-Prüfverfahren sind die Ergebnisse gründlicher und zuverlässiger. Es kann sein, dass die Ergebnisse des finalen Tests von den Ergebnissen des vorangegangen entwicklungsbegleitenden Test abweichen. Der entwicklungsbegleitende BITV-Test ist damit also kein Garant für ein positives Ergebnis bei der abschließenden BITV-Prüfung. 

Als Ergebnis erhält der Auftraggebende einen ausführlichen Prüfbericht. Falls vorhanden, sind dort auch alle festgestellten Mängel aufgelistet und erläutert. Außerdem haben Sie dann die Möglichkeit, die Ergebnisse des abschließenden BITV-Tests zu veröffentlichen und ein BIK-Prüfzeichen in Ihrem Angebot zu platzieren, um auf das Prüfergebnis hinzuweisen. Jedoch müssen hier Einschränkungen des Prüfgegenstands deutlich vermerkt sein. Sind alle geprüften Seiten des Angebots BITV-konform, wird Ihr Webauftritt zudem in die Liste der „Barrierefreien Websites“ aufgenommen.

BITV-Selbstbewertung

Die BITV-Selbstbewertung ist ein webbasiertes Werkzeug für Agenturen und Webdesigner*innen, die die Barrierefreiheit Ihres Webangebots selbst einschätzen wollen. Es eignet sich damit als umfassendes Tool als Orientierungshilfe, um barrierefreie Webangebote zu entwickeln. Auch die BITV-Selbstbewertung basiert auf den 60 Prüfschritten des BITV-Tests. 

Anhand eines Fragebogens zum Ausfüllen lassen sich alle Schritte nacheinander kostenlos testen und dokumentieren. Diese sind dort übersichtlich angezeigt und es wird auf Erläuterungen zu den jeweiligen Prüfverfahren verlinkt. Des Weiteren gibt der Fragebogen die Möglichkeit einer Bewertung in Abstufungen. Der Fragebogen lässt sich nach dem Ausfüllen zudem abspeichern, passwortgeschützt an andere zugänglich machen und in übersichtlicher Form ausdrucken. 

Die Zuverlässigkeit und Aussagekraft der Ergebnisse hängt hier stark davon ab, wie intensiv sich der Prüfende mit den Anforderungen und der Prüfschritte des BITV-Tests vertraut macht. Die Selbstbewertung kann daher nicht mit den Expertentests durch BIK-Beratende gleichgesetzt werden. Demnach dürfen die Testergebnisse der BITV-Selbstbewertung nicht veröffentlicht werden und eignen sich nur für den internen Gebrauch.

Wie sehen die einzelnen Prüfschritte des BITV-Tests aus?

Ziel des BITV-Tests ist es zu überprüfen, ob die Inhalte der Website auch für Nutzende mit Einschränkungen erschließbar sind. So sollte ein Webangebot auch für Menschen mit einer Behinderung der Sinneswahrnehmung, wie zum Beispiel einer Seh- oder Hörbehinderung, wahrnehmbar, bedienbar und verständlich sein. Mithilfe der 60 Prüfschritte des BITV-Tests soll dies getestet werden. 

Die einzelnen Prüfschritte sind auf der Bitvtest-Webseite im Verzeichnis jeweils im Detail beschrieben und können unabhängig voneinander bewertet werden. Eine feste Reihenfolge beim Prüfverfahren gibt es also nicht. Für die Bearbeitung der einzelnen Prüfschritte sind verschiedene Tools nötig, die frei im Internet verfügbar sind.

Außerdem beziehen sich die 60 Prüfschritte auf unterschiedliche Bereiche einer Website. Einige technische Prüfschritte beziehen sich zum Beispiel auf die Frontend-Technik. Hierbei werden verschiedene Aspekte in Bezug auf das Design, HTML-Gerüst, CSS oder der Farbkontraste auf Barrierefreiheit getestet. Aber auch im Content-Bereich gibt es einige Punkte, die der BITV entsprechen müssen. Dies betrifft die Leserlichkeit von Texten, die Wahrnehmbarkeit von Bildern und die valide Struktur von Überschriften, Datentabellen und Listen. Im Folgenden werden zur Veranschaulichung drei der Prüfschritte des BITV-Tests im Detail erläutert.

Beispiel 1: Kontraste

Anhand des Prüfschritts 1.4.3a werden die Kontraste von Texten überprüft. Texte auf Webseiten sollten nämlich ausreichende Helligkeitskontraste aufweisen, damit sie auch von farbfehlsichtigen Nutzern wahrgenommen werden können. Wenn die Schriftfarbe und die Hintergrundfarbe sich nämlich zu sehr ähneln, haben sie sehr wahrscheinlich zu wenig Kontrast und können nur schwer mit Schwarzweiß-Monitoren oder von Menschen mit einer Farbschwäche betrachtet werden. Auch informationstragende Grafiken sollten genug Farbkontrast haben, damit sie von Nutzenden mit Sehbehinderungen wahrgenommen werden. 

Um zu testen, ob Farbkombinationen des Vorder- und Hintergrunds ausreichend Kontrast nach BITV aufweisen, können verschiedene frei verfügbare Tools genutzt werden. Die meisten Werkzeuge prüfen dabei die die drei Konformitätslevel der WCAG (A, AA und AAA). So können Sie beispielsweise den Color Contrast Analyser (CCA) zur Prüfung der Kontraste verwenden. Für große Schrift sollte damit ein Kontrastverhältnis von 3:1 gemessen werden. Für kleine Schrift sollte ein Kontrastverhältnis von 4,5:1 vorliegen. 

Beispiel 2: Tastaturbedienbarkeit

Die Tastaturbedienbarkeit wird im Prüfschritt 2.1.2a des BITV-Tests überprüft. Hierbei wird getestet, ob die Website auch ohne Maus, also ausschließlich mit der Tastatur, bedienbar ist. Hiermit soll gewährleistet sein, dass eine geräteunabhängige Bedienung problemlos möglich ist. Viele motorisch eingeschränkte Menschen oder Blinde sind  auf die Tastaturbedienbarkeit angewiesen. Demnach müssen alle wesentlichen Funktionen und Inhalte auch mit der Tastatur aufgerufen werden können. 

Dies kann man testen, indem man beispielsweise mit der Tabulatortaste (Tab) alle Links und Formularelemente durchgeht. So sollten sich alle Bedienelemente und Links auch mit der Tabulatortaste ansteuern lassen. Prüfen Sie es selbst einmal und legen ihre Computermaus zur Seite. Lassen sich alle wichtigen Funktionen und Bereiche Ihrer Webseite allein mit der Tastatur erreichen und bedienen? 

Beispiel 3: Alternativtexte für Bilder und Bedienelemente

In Prüfschritt 1.1 geht es insbesondere um die Prüfung der Alternativtexte für verschiedene Elemente von Webseiten. Für blinde Nutzende sind grafische Bedienelemente und Bilder nicht zugänglich. Wenn jedoch Alternativtexte vorhanden sind, treten sie an die Stelle der Grafik und können von assistiven Technologien ausgegeben werden. So werden Alternativtexte zum Beispiel von Screenreadern für Blinde vorgelesen. 

Daher ist es wichtig, sinnvolle Alternativtexte zu wählen. Das alt-Attributs eines Bedienelements sollte demnach den Zweck des Elements wiedergeben. Hier gilt dann der Text als Alternative für das Icon. Bei informationsorientierten Grafiken und Bildern reicht eine kurze Beschreibung des abgebildeten Gegenstands. Hintergrundgrafiken sollten dagegen mit keinem Alternativtext hinterlegt werden. 

Um zu prüfen, ob auf Ihrer bestehenden Website alt-Attribute bei Grafiken und anderen Elementen korrekt hinterlegt sind, können Sie verschiedene Tools nutzen. In der Web Developer Toolbar können Sie zum Beispiel im Menü unter dem Punkt Images > Display Alt Attributes alle Alternativtexte aufrufen und überprüfen, ob die Bezeichnungen sinnvoll sind. Alternativ lässt sich hier auch ganz einfach das Images Bookmarklet von Paul Adam zur Überprüfung der korrekten Setzung des alt-Attributs anwenden.

Welche Werkzeuge benötige ich zur Durchführung eines BITV-Tests?

Für die Bearbeitung der einzelnen Prüfschritte des BITV-Tests sind verschiedene Werkzeuge nötig. Hier eignen sich unterschiedliche frei verfügbare Tools, die auch in der Werkzeugliste der Bitvtest-Webseite aufgelistet sind. Insgesamt ist das Prüfverfahren so aufgebaut, dass der Test auch ohne assistive Technologien durchgeführt werden kann. Bei komplexen dynamischen Inhalten, die mit WAI-ARIA angepasst sind, ist der Einbezug eines Screenreaders allerdings sehr sinnvoll.

So liefert bereits die Web Developer Toolbar für Firefox und Chrome zahlreiche nützliche Funktionen für die Prüfung auf Zugänglichkeit. Aber auch die verschiedenen Bookmarklets von Paul Adam (Bookmarklets for Accessibility Testing) eignen sich optimal für unterschiedliche Prüfschritte. Es wird zudem empfohlen manche Prüfschritte in mehreren Browsern durchzuführen, um Websites unter verschiedenen Bedingungen und Einstellungen zu testen. Nur so erhält man zuverlässige Testergebnisse. 

Als Screenreader eignet sich NVDA. Dabei handelt es sich um ein Open-Source Screenreader für Windows, der vor allem bei der Prüfung dynamischer Webinhalte unterstützend verwendet wird. Des Weiteren gilt NVDA als weitgehend standardkonform und kann daher zur Überprüfung korrekter Auszeichnungen genutzt werden.

Ist der Einsatz von automatischen Tests zur Prüfung der Barrierefreiheit sinnvoll?

Mittlerweile gibt es einige automatische Tests zur Prüfung der Barrierefreiheit digitaler Angebote. Diese können bereits einige Mängel durch automatisierte Tests ermitteln. Die Mehrheit der Probleme hinsichtlich der barrierefreien Gestaltung von Webseiten lassen sich jedoch nur durch menschliche Prüfung feststellen. 

So kann beispielsweise automatisiert erkannt werden, ob Bilder und Bedienelemente mit Textalternativen versehen sind. Es kann hingegen nicht automatisiert geprüft werden, ob die Beschreibung im alt-Attribut sinnvoll ist. Dies kann nur von einem Menschen beurteilt werden. Dies gilt auch für Vorgaben, die sich auf die Verständlichkeit der Website beziehen. Hierzu gehört zum Beispiel die Prüfung von aussagekräftigen Linktexten, sinnvollen Überschriften und Label sowie informativen Webseite-Titel. Auch mehrstufige Prozesse lassen sich mit automatischen Tests nur zu einem kleinen Bruchteil abbilden. 

Für die Überprüfung der Barrierefreiheit von Webangeboten ist somit eine qualifizierte Beurteilung durch Menschen erforderlich. Dennoch: Automatische Tools können eine sinnvolle Ergänzung für personalgestützte Tests sein. So kann der zusätzliche Einsatz von automatischen Werkzeugen insbesondere bei der Prüfung der Validität einer Website oder der Messung von Kontrasten hilfreich sein. Insgesamt liefern automatische Tools durchaus erste Hinweise auf vorhandene Mängel, die bei der Durchführung eines BITV-Tests berücksichtigt werden sollten.

Wie viel kostet ein BITV-Test?

Die BITV-Selbstbewertung ist kostenlos. Der Test erfordert einiges an Zeit und eine intensive Beschäftigung mit den Anforderungen der BITV. Für den entwicklungsbegleitenden und abschließenden BITV-Test gibt es einsehbare Kostenrahmen, auf denen die Kostenkalkulation der einzelnen Prüfstellen zugrunde liegt. Insgesamt richten sich die Kosten für einen BITV-Test insbesondere nach drei Faktoren: 

  • Testvariante: entwicklungsbegleitend oder abschließend
  • Anzahl der zu testenden Seiten 
  • Komplexität der zu prüfenden Seiten

Vor Prüfbeginn wird der Komplexitätsgrad zwischen I und III von Experten eingestuft. Daraus ergeben sich anschließend die konkreten Prüfkosten für das Webangebot. Auf der BITV Test-Webseite wird angegeben, dass der Seitengrundpreis für einen abschließenden Test bei ca. 560 Euro liegt und für einen entwicklungsbegleitenden Test bei ca. 280 Euro liegt. An dieser Stelle sei angemerkt, dass der genannte Seitengrundpreis lediglich indikativ ist. Das heißt, dass die BIK BITV-Test-Prüfstellen frei sind und in ihren Angeboten von dem indikativen Grundpreis etwas abweichen.

Fazit

Mit einem BITV-Test können Sie schnell überprüfen, ob Ihre Website den Vorgaben und Anforderungen der BITV 2.0 für barrierefreies Internet entspricht. Insgesamt eignet sich das umfassende Prüfverfahren somit optimal für die zuverlässige Prüfung der Barrierefreiheit von verschiedenen informationsorientierten Webangeboten und Webanwendungen. Mit Abschluss der Prüfung und BITV-konformer Website genießen Sie dann verschiedene Vorteile digitaler Barrierefreiheit. So können Sie alle Nutzer erreichen und erhöhen die Nutzerfreundlichkeit und Kundenzufriedenheit durch einen selbsterklärenden Seitenaufbau und verständlichem Inhalt.

Gerne helfen wir Ihnen bei der Durchführung eines BITV-Tests und der Optimierung Ihres Webangebots. Kontaktieren Sie uns jetzt und machen Ihre Website barrierefrei!

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