Eine „Zertifizierung für Barrierefreiheit“ ist nur so aussagekräftig wie ihr Prüfverfahren und der dokumentierte Umfang. Ein Prüfbericht beschreibt untersuchte Seiten, Zustände und Befunde. Eine Konformitätsaussage bewertet die Erfüllung eines festgelegten Standards. Ein sichtbares Prüfzeichen verweist auf dieses Ergebnis und darf nicht mehr versprechen, als tatsächlich geprüft wurde.
Die wichtigsten Begriffe unterscheiden
| Begriff | Aussage | Grenze |
|---|---|---|
| Automatischer Scan | Findet bestimmte technisch erkennbare Probleme | Kann viele menschlich zu bewertende Anforderungen nicht abschließend prüfen |
| Audit / Prüfbericht | Dokumentiert Methode, Umfang und Befunde | Ein Bericht kann erhebliche Mängel enthalten |
| Konformitätsaussage | Bezieht ein Ergebnis auf definierte Anforderungen | Gilt für den benannten Prüfgegenstand und Stand |
| Prüfzeichen | Kommuniziert ein bestimmtes Prüfergebnis | Ist keine unbegrenzte Garantie für die gesamte Website |
Welcher Standard soll geprüft werden?
Benennen Sie die gewünschte Norm, deren Version und den Geltungsbereich vor dem Auftrag. WCAG und BITV sind nicht einfach austauschbare Namen für denselben Prüfauftrag. Bei gesetzlichen Pflichten muss zunächst geklärt werden, welche Anforderungen für das jeweilige Angebot gelten.
Die WCAG ordnen Anforderungen den Stufen A, AA und AAA zu. Eine Aussage zu AA umfasst die Anforderungen von A und AA. Diese Stufen sind keine Schulnoten für die allgemeine Qualität einer Website. Eine höhere Stufe ist auch kein Ersatz für die Prüfung, ob der gewählte rechtliche und technische Rahmen überhaupt passt. WCAG 2.2: Anforderungen und Stufen.
Was zeigt ein BIK-Prüfzeichen?
BIK unterscheidet Zeichen für Konformität der geprüften Seiten von einem Zeichen, das auf einen Prüfbericht verweist. Ein Verweis auf einen Prüfbericht bedeutet daher nicht automatisch, dass alle geprüften Anforderungen erfüllt wurden. Die Einbindung muss zum veröffentlichten Bericht und den Nutzungsregeln passen. BIK: Prüfzeichen und Verwendungsregeln.
Prüfen Sie bei einem Angebot ausdrücklich, ob ein vorbereitendes Audit, ein unabhängiger Konformitätstest oder nur ein automatisierter Scan enthalten ist. Diese Leistungen haben unterschiedliche Ziele und können nicht anhand eines Logos gleichgesetzt werden.
Welche Teile Ihrer Website gehören in den Auftrag?
Inventarisieren Sie Seitentypen und Prozesse: Startseite, Inhaltsseite, Suche, Formulare, Anmeldung, Shop, Zahlungsdialoge und gegebenenfalls Dokumente. Zu einem Formular gehören auch Fehlermeldungen, Bestätigungen und alternative Zustände. Ein Test ausschließlich gut vorbereiteter Beispielseiten kann das tatsächliche Angebot unzureichend abbilden.
Vereinbaren Sie außerdem, wie externe Komponenten und PDF-Dateien behandelt werden. Halten Sie Ausnahmen im Prüfauftrag und später im Ergebnis fest. Eine unabhängige repräsentative Seitenauswahl und nachvollziehbare Befunde machen den Bericht für Entwicklung und Auftraggeber nützlich.
Ein sinnvoller Weg bis zum belastbaren Ergebnis
- Rahmen festlegen: Standard, Version, Stufe und Prüfgegenstand schriftlich vereinbaren.
- Vorprüfung durchführen: Wiederkehrende Barrieren und kritische Nutzerwege untersuchen.
- Befunde bearbeiten: Zuständigkeiten, Prioritäten und reproduzierbare Fehlerschritte festhalten.
- Änderungen nachprüfen: Nicht nur den sichtbaren Einzelfehler, sondern betroffene Komponenten kontrollieren.
- Abschließende Prüfung beauftragen: Den dafür vereinbarten unabhängigen Prüfrahmen einhalten.
- Ergebnis korrekt veröffentlichen: Umfang, Datum und Einschränkungen verständlich nennen.
Welche Fragen gehören in die Angebotsprüfung?
- Wer prüft und wie wird die Qualität der Prüfung gesichert?
- Welche Seiten, Prozesse, Dokumente und Zustände sind enthalten?
- Erhalten wir konkrete Befunde mit Reproduktionsschritten?
- Ist eine Nachprüfung enthalten und welchen Umfang hat sie?
- Welche Bedingungen gelten für ein Prüfzeichen?
- Was passiert nach größeren Änderungen an der Website?
Die Kosten hängen unter anderem von Umfang, Komplexität und Nachprüfung ab. Vergleichen Sie deshalb Leistungsbeschreibungen statt nur Pauschalpreise. Ein günstiger Scan und ein umfassender manueller Test sind keine gleichartigen Angebote.
Barrierefreiheit nach der Prüfung erhalten
Neue Inhalte, Plugins oder Formulare können neue Barrieren schaffen. Legen Sie Zuständigkeiten für Redaktion und Entwicklung fest und prüfen Sie zentrale Abläufe nach relevanten Änderungen erneut. Ergänzende Tests mit Menschen mit Behinderungen können praktische Nutzungshürden sichtbar machen, die über eine reine Konformitätsbetrachtung hinausgehen.
Unterstützung bei der Umsetzung
Sie möchten das Thema auf Ihr Unternehmen übertragen? Barrierefreiheit prüfen und umsetzen: Gemeinsam klären wir Ausgangslage, Prioritäten und die nächsten Schritte.